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Vorsicht vor falschen Freunden

Ein Freund, ein guter Freund

Natürlich ist im Geschäftsleben kein Platz für die drei von der Tankstelle. Der eine oder andere mag das Lied noch kennen, das Heinz Rühmann gemeinsam mit Willy Fritsch und Oskar Karlweis fröhlich geträllert hat. Nun ist es aber auch so, dass wir gern Beziehungen mit Menschen knüpfen, mit denen wir schon lange zusammen arbeiten. Die Beziehung überwiegt dann das Geschäft. Ist das erstrebenswert oder soll man sich davor hüten?

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Natürlich kann man mit Freunden Geschäfte machen (oft keine guten, aber das vielleicht später) und aus Geschäftspartnern können Freunde werden. Das Maß aller Dinge ist die Balance. Solange beide Parteien miteinander fair, auf Augenhöhe umgehen, bleibt alles in Ordnung. Doch was ist das Ziel jeder Geschäftstätigkeit?

Ein guter Kunde zahlt pünktlich, ein guter Freund noch eher

Ziel ist es, Geld zu verdienen. Genau, verdienen. Das bedeutet, dass ich erst einmal etwas geleistet haben muss, um dies berechnen zu können. Ich selbst habe viele Kunden, die zahlen sehr flott – zwei bis drei Tage nach Erstellung. Das ist nicht die Regel. Die meisten Kunden zahlen einfach pünktlich. Wenn ein Kunde  – also praktisch jemand, der rein auf geschäftlicher Basis mit mir zusammen arbeitet – schon pünktlich zahlt, müsste man dann nicht bei guten Freunden davon ausgehen, dass diese noch schneller zahlen?

Die Einbahnstraßen des Lebens

Kennen wir doch alle, oder? Einseitige Beziehungen. Der eine gibt, der andere nimmt. Meist merken beide erst zu spät, dass sich da etwas eingeschlichen hat. Ich sage immer: Wenn einer gewinnt, verlieren beide. Das klappt schon in Paarbeziehungen nicht.

prostituierte Freundschaften

Jetzt wird es kritisch. Ich sehe schon, dass einige Leserinnen oder Leser bei dem Wort Prostitution innerlich zusammenbrechen, nützt aber nichts. Was wahr ist, muss auch so benannt werden dürfen (für alle anderen gibt es die Kommentarfunktion). Was meine ich damit?

Zuneigung ist bedingungslos

Liebe ist nur echt, wenn sie nicht an Bedingungen geknüpft ist. Eine Mutter, die ihrem Kind sagt: „Sei artig, sonst nehme ich Dich nicht in den Arm“ treibt uns schon bei der bloßen Vorstellung Schauer über den Rücken. Zu Recht! Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass Freundschaft eine Form der Zuneigung ist, oder? Freundschaft, die nicht bedingungslos ist, ist keine Freundschaft. Sie wird zum Zahlungsmittel. Nehmen wir einmal das Beispiel eines Mannes, der meint, dass die Leistung seines „Freundes“ nicht bezahlt werden müsse, da es sich schließlich um einen Freund handelt.

Verarmung in Kauf genommen

Nehmen wir einmal den soeben geschilderten Fall. Ist es dann nicht so, dass ein Geschäftsmann mit vielen Freunden überhaupt kein Geschäft betreiben dürfte? Vorsicht! Es gibt immer wieder Menschen, die nicht trennen können (oder wollen). Da wird die emotionale Keule gern geschwungen, bis der Dienstleister oder Lieferant reumütig zurückzieht. Er könne ja einen Freund verlieren, wird gedroht.

Angst vor Verlust und Ablehnung

Wir alle haben diese Ängste in die Wiege gelegt bekommen. Nicht selten haben wir uns bis ins hohe Erwachsenenalter nicht davon befreien können. Angst, etwas zu verlieren. Angst, abgelehnt zu werden. So entsteht dann auch die Mär vom Konkurrenzkampf, der nur ein Ringen um das größte Kuchenstück ist, oder die Furcht davor, mit anderen Menschen zu telefonieren. Es gibt gute Nachrichten: Erstens ist genug für alle da. Es herrscht überall Überfluss, solange man nicht stehen bleibt und sich vor Veränderungen nicht verschließt. Zweitens niemand kann uns ablehnen. Jeder ist, wie er ist, völlig in Ordnung, solange er an sich und seiner Persönlichkeit arbeitet.

Dagegen hilft nur Entwicklung

Kennen Sie noch die Werbung für Werthers Echte? Der kleine Junge betritt den Krämerladen. Er kauft sich Bonbons. Und eines davon hat er gleich an der Ladentheke gegessen – der kleine gierige Hosenfratz (sorry, natürlich nicht so). Da hat sich auch etwas entwickelt. Das Bonbon zeigt seine geschmacklich beste Seite erst nach dem Auswickeln. Also, zeigen Sie sich, entwickeln Sie sich, werden Sie offen. Upps, ist das nicht ein Widerspruch. Auf der einen Seite aufpassen, dass man nicht übervorteilt wird und auf der anderen Seite sich öffnen?

Intuition, Bauchgefühl

Wenn wir uns öffnen, Intuition zulassen, werden wir frühzeitig erkennen, wer uns wohl gesonnen ist und wer nicht. Solange wir nur in Zahlen denken, in Soll und Haben, gehen uns solche Signale durch. Gefährlich! Denken Sie daran, Sie haben doch einen Bauch, oder? Nutzen Sie ihn!

Schlechte Geschäfte und gute Freundschaften

Tun Sie sich einen Gefallen: Bringen Sie nichts durcheinander. Wenn Sie mit Freunden Geschäfte machen, klären Sie das Geschäft vorher gut ab. Die Einstellung „Das wird schon“ wird auf gar keinen Fall. Glauben Sie mir. Vereinbaren Sie möglichst viel schriftlich. Das hilft, privat und geschäftlich voneinander besser zu trennen. Dann gehen Sie fair miteinander um, besonders fair wie in jedem anderen Geschäft auch. Und wenn einmal etwas schief geht, dann versuchen Sie nicht die gute Freundschaft mit ins Spiel zu bringen und damit aufs Spiel zu setzen. Bleiben Sie sachlich an der Sache.

Der bekannte Dritte

Zum Schluss will ich Ihnen noch eine Anekdote erzählen. Dabei kommt ein bekannter Dritter ins Spiel. Der bekannte Dritte ist ein Freund, den ich selbst nicht kenne, aber der mit meinem Geschäftspartner sehr gut bekannt ist. Wir sind also dabei das gemeinsame Projekt zu rocken. Mit allem drum und dran: nächtelanger Arbeit, Fertigstellung kurz vor Termin, Stress. Als es dann zur Rechnungsstellung geht, führe ich folgendes Gespräch. „Weißt Du“, sagt er, „die Leute meinen, weil ich gute Geschäfte mache, müsste ich das Geld zum Fenster heraus schmeißen.“ (die Leute, so so) „Da hat doch ein Freund von mir die Büros gestrichen. Malermeister. Und zum Schluss hat er mir eine total überzogene Rechnung präsentiert. Das ist mein Freund gewesen, das kann ich Dir sagen!“

„Apropros Geld, wir müssen noch über die Rechnung sprechen…“. Deshalb hatte ich ja angerufen, nachdem ich bereits fast 90 Tage abgewartet habe.

Schauen Sie in den Spiegel

Sehen Sie sich an. Wieviele Menschen ziehen und zerren an Ihnen und wollen nur Ihr Bestes? Geld ist nicht alles. Freundschaften, Beziehungen zählen mehr. Aber Sie tun als Unternehmerin, als Unternehmer das, was Sie tun, weil Sie eine Idee haben, eine Vision – vielleicht sogar eine Mission. Um das zu erreichen, was Sie erreichen wollen, müssen Sie sich morgens beim Anblick Ihres Spiegelbildes gut fühlen. Bleiben Sie sich selbst treu, dann werden solche falschen Freunde in Zukunft nicht häufig Ihren Weg kreuzen.

 

 

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